Expert Talk

Expert Talk 9: Franz Kokoth

16.6.2026

Mediation meets Design Thinking

Mediation und Design Thinking haben eine unterschiedliche Entstehungsgeschichte, folgen aber denselben Prinzipien. Werden sie miteinander kombiniert, entstehen neue Möglichkeiten, festgefahrene, verhärtete Konflikte neu zu denken und so Auswege zu finden. Der erfahrene Wirtschaftsmediator stellt kreative Methoden des Design Thinking vor und inspiriert damit, den mediativen Werkzeugkoffer zu erweitern.

Ing. Franz Kokoth, MSc

Eingetragener Mediator, Unternehmensberater und Trainer

Moderation: Mag. Anna Unterholzer

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Mediation meets Design Thinking: Wege aus festgefahrenen Konflikten

Was passiert, wenn die strukturierte Konfliktlösung der Mediation auf die kreative Innovationskraft des Design Thinking trifft? Dieser Frage widmete sich der 9. Expert Talk des Mediationsinstituts. Unternehmensberater und Mediator Franz Kokoth zeigte im Gespräch mit Anna Unterholzer, wie sich festgefahrene Konflikte durch neue Perspektiven und kreative Methoden in Bewegung bringen lassen. 

Von komplizierten zu komplexen Konflikten

Kokoths Ausgangspunkt: Konflikte sind heute selten nur kompliziert, sondern komplex. Digitalisierung, Generationenfragen, kulturelle Veränderungen und hohe Teilzeitquoten prasseln gleichzeitig auf Unternehmen ein. Lineare Lösungsansätze stoßen hier an ihre Grenzen. Genau dort setzt Design Thinking an – eine Methode, die ursprünglich aus der Innovationsentwicklung stammt und bereits in den 1970er-Jahren von Horst Rittel für sogenannte „Wicked Problems“ gedacht wurde: Herausforderungen, die sich technisch oder linear allein nicht lösen lassen.

Eine gemeinsame DNA

Auf den ersten Blick stammen Mediation und Design Thinking aus unterschiedlichen Welten. Bei näherem Hinsehen zeigen sich jedoch erstaunliche Parallelen. Beide Ansätze stellen den Menschen in den Mittelpunkt, fördern Perspektivenwechsel und schaffen Raum für neue Lösungsansätze. Statt vorschnell nach Antworten zu suchen, geht es zunächst darum, Bedürfnisse, Interessen und Hintergründe zu verstehen. Mediator:innen bringen dafür bereits viele der notwendigen Kompetenzen mit: Empathie, Allparteilichkeit, aktives Zuhören und die Fähigkeit, komplexe Prozesse zu strukturieren. Design Thinking erweitert diese Stärken um kreative Methoden, mit denen neue Möglichkeiten sichtbar und gemeinsam erprobt werden können.

Wichtig dabei: Design Thinking ersetzt die Mediation nicht. Bei akuter Eskalation, Machtungleichgewichten oder fehlender Kooperationsbereitschaft braucht es zuerst die klassische mediative Arbeit. Sie baut die Brücke aus Sicherheit, Verständnis und Vertrauen – erst dann lässt sich der kreative Raum betreten.

Methoden-Koffer

Wie das konkret aussieht, machte Kokoth an zwei Fällen deutlich. Im Konflikt zwischen Vertrieb und IT half die Empathy Map, die Belastung der jeweils anderen Seite fühlbar zu machen – aus gegenseitigen Schuldzuweisungen wurde gemeinsame Prozessgestaltung. Bei einer Unternehmensnachfolge ließ die Zukunftsreise Vater und Tochter unabhängig voneinander ein Bild des Unternehmens in fünf Jahren entwerfen. Überraschend viele gemeinsame Werte wurden dabei sichtbar, und aus dem Patt zwischen Tradition und Innovation wurde eine gemeinsame „Design-Challenge“.

Weitere Werkzeuge ergänzen das Bild: Prototyping nimmt mit befristeten Testphasen den Druck der Endgültigkeit. Die Worst Idea Exercise löst Blockaden durch bewusst „schlechte“ Ideen und bringt Leichtigkeit ins Gespräch. Und die Bisoziation nutzt Bilder, um das Denken aus eingefahrenen Bahnen zu führen.

Vom Konfliktlöser zum Zukunftsgestalter

Die zentrale Botschaft des Abends: Mediator:innen müssen nicht zu Designer:innen werden. Sie erweitern vielmehr ihren bestehenden Werkzeugkoffer um Methoden, die Kreativität, Beteiligung und gemeinsames Gestalten fördern. Gerade bei komplexen Fragestellungen entstehen dadurch nicht nur einzelne Lösungen, sondern mehrere tragfähige Handlungsoptionen. Die Verbindung von Mediation und Design Thinking eröffnet dabei neue Einsatzfelder – von Veränderungsprozessen in Unternehmen über Familien- und Scheidungsmediation bis hin zu Beteiligungsprozessen im öffentlichen Raum. Mediation wird so nicht nur zum Instrument der Konfliktlösung, sondern auch zum Enabler für Innovation und Zukunftsgestaltung.

„Mediation schafft Verständigung. Design Thinking schafft Möglichkeiten. Gemeinsam entsteht Zukunftsgestaltung.“

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