Expert Talk

Expert Talk 8: Alice Perscha

24.3.2026

Erben. Konflikt. Lösung. Mediation im erbrechtlichen Kontext

Mag. Alice Perscha

Öffentliche Notarin, Eingetragene Mediatorin, Vortragende und Fachautorin

Moderation: Mag. Susanne Lederer

Rund um das Erbrecht gibt es viele Ursachen für Streitigkeiten, die aufgrund familiärer Dynamiken oft unvermeidlich oder schwer lösbar erscheinen. Die erfahrene Notarin stellt die rechtlichen Rahmenbedingungen und daraus resultierende Konfliktpotentiale vor bzw. beleuchtet die Perspektiven der verschiedenen Akteur:innen. Gerichtsverfahren und Mediation werden einander gegenübergestellt und erörtert, wann Mediation sinnvoll ansetzen kann. Angesprochen werden die Besonderheiten erbrechtlicher Konflikte ebenso wie mögliche (interdisziplinäre) Lösungsstrategien.

Zusammenfassung

Erbschaftsangelegenheiten gehören zu den konfliktträchtigsten Bereichen des Zusammenlebens. In diesem Expert Talk beleuchtet Alice Perscha – aus ihrer doppelten Perspektive als Notarin und Mediatorin – die vielfältigen Konfliktquellen rund um das Erben und zeigt auf, wie Mediation zu guten und haltbaren Lösungen beitragen kann.

Konfliktpotenzial im Erbrecht

Das Spektrum möglicher Konflikte ist enorm: Lieblingskinder und schwarze Schafe, Machtgefälle, Misstrauen, Tabu-Themen, verschwiegene Schenkungen, Patchwork-Familien oder sogar Doppelleben. Die Wurzeln von Erbstreitigkeiten liegen oft weit vor dem eigentlichen Todesfall – in der Kindheit, in unausgesprochenen Erwartungen und ungelösten Familienbeziehungen.

Vorsorge zu Lebzeiten

Alice Perscha erläutert vor allem auch die verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten für die Zeit vor und nach dem Tod: Vorsorgevollmacht, Testament, Erbvertrag und Schenkungen zu Lebzeiten mit oder ohne flankierenden Erb- und/oder Pflichtteilsverzicht. Besonders wichtig: Schenkungen kommen im Verlassenschaftsverfahren wertmäßig zurück – "was weg ist, ist nicht weg". Pflichtteilsberechtigte Personen (Ehepartner:innen/eingetragene Partner:innen und Kinder) haben stets gesetzliche Ansprüche, die nicht einfach umgangen werden können.

Das Familienkonto

Ein zentrales Konzept des Abends: Jede Familie führt ein emotionales und materielles "Konto" mit Einzahlungen (Fürsorge, Verzicht) und Entnahmen (finanzielle und emotionale Zuwendungen). Ist dieses Konto nicht ausgeglichen, entstehen Konflikte – verstärkt durch Brandbeschleuniger wie nicht eingehaltene Versprechen, enttäuschte Erwartungen, Schuldgefühle oder Einflüsterer von dritter Seite.

Gerichtsverfahren vs. Mediation

Während gerichtliche Verfahren auf der rein rechtlichen Ebene ablaufen, polarisieren und fremdbestimmt sind, bietet Mediation die Chance auf eine selbstbestimmte, kostengünstigere Win-Win-Lösung – mit dem Ziel, familiäre Beziehungen zu erhalten. Dennoch hat Mediation dort ihre Grenzen, wo massive Machtungleichgewichte bestehen oder die Beteiligten schlichtweg nicht wollen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Zukunftsmodell

Der Vortrag mündet in einen klaren Appell: Rechtsberatung und Mediation sind keine Konkurrenten, sondern ergänzen sich. Die Idealvorstellung ist ein verzahntes Arbeiten beider Disziplinen, bei dem Rechtsdienstleister:innen in komplexen Fällen aktiv auf Mediation hinweisen und Mediator:innen sich auch "juristisch" vernetzen.

Für Mediation und rechtliche Beratung ist es nie zu früh.

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